6000 Hörgeräte Zuzahlung: Was zahlt die Krankenkasse | Hörberatung.at

Kostenübernahme bei Hörgeräten: Wann zahlt die Versicherung?

Um ein Hörgerät verschrieben zu bekommen, sollen Sie im ersten Schritt den HNO-Arzt aufsuchen. Er entscheidet über den Grad der Hörminderung und stellt die Verordnung aus. Diese Verordnung regelt, ob und in welcher Höhe Ihre Krankenkasse die Kosten für Ihr Hörgerät übernimmt.

Kostenübernahme für eine Versorgung mit Hörgeräten

 

Welche Kosten übernimmt die Krankenversicherung?

Erst nachdem der tatsächliche Bedarf für eine Hörhilfe nachgewiesen ist, kann Ihr Antrag auf Kostenerstattung bewilligt werden. Finanzielle Leistungen der Sozialversicherungen für die Hörgeräteversorgung in Österreich sind in einem Gesamtvertrag der Sozialversicherungsträger mit den Hörgerätefirmen geregelt. Es gibt eine Tarifversorgung1, bzw. Grundversorgung und Sonderversorgungen. Sie wurden wie folgt definiert.

Die Krankenkasse bezahlt für einkanaliges, analoges, linear verstärkendes Hörgerät mit Mikrofon, Verstärker und Funktionselementen wie AGC (automatic Gain Control), PC (Peak Clipping), Tonblenden nach Bedarf.

Tarifversorgung (1)

Bei Schwerhörigkeit eines Ohrs

Bedingungen:

  • Hörverbesserung durch einen operativen Eingriff ist nicht möglich bzw. nicht erfolgversprechend
  • Hörverlust im Tonaudiogramm beträgt auf dem „besseren“ Ohr einer der Prüffrequenzen zwischen 500 und 3000Hz mindestens 30dB
  • Verständlichkeit für Einsilber, geprüft monaural über Kopfhörer, beträgt bei 65dB Sprachschallpegel maximal 80%

Bei Neuversorgung übernimmt die Krankenkasse € 792.-.

Tarifversorgung (2)

Bei Schwerhörigkeit beider Ohren

Bedingungen:

  • beidseitige Hörminderung
  • die Hörgeräte müssen gleichzeitig getragen werden
  • das Sprachverstehen kann sich gegenüber der einseitigen Versorgung bei 65dB Nutzschall und 60dB Störschall um mindestens 10 % verbessern, jedoch wenigstens um 20 % vom Ausgangswert der einseitigen Versorgung

Für eine Versorgung beider Ohren wird € 1.425,- übernommen.

Sonderversorgungen

Bedingungen:

  • Eine aussergewöhnliche Hörstörung oder eine zusätzlich bestehende körperliche oder geistige Beeinträchtigung

Eine Sonderversorgung ist eine aussertarifliche Regelung für Hörgeräte und Dienstleistungen, die auf die persönliche Situation des Hörbehinderten angepasst sind. Der Zuzahlungsbetrag wird individuell zusammengesetzt:

  • Klasse I: € 900.- / 1620.-
  • Klasse II: € 1560.- / 2808.-
  • Klasse III: € 2100.- / 3780.-

Wer arbeitet, bekommt deutlich mehr Zuschuss

Ausnahmeregelungen gelten für Menschen, die im Berufsleben stehen2: Für sie gibt es deutlich höhere Grundbeträge – nämlich bis zu € 3.780,- für eine binaurale Versorgung. Das Geld kommt in diesem Fall nicht von der Krankenkasse, sondern von der Pensionsversicherungsanstalt. Der Betrag ist deshalb höher, weil es sich um eine Pensionsvorsorgemassnahme handelt, die Menschen mit Hörverlust ermöglichen soll, länger im Arbeitsprozess zu bleiben.

Die wichtigste Bedingung für die Zahlung durch die Pensionsversicherung:

  • Das Hörgerät muss für die Ausübung des Berufes unentbehrlich sein (z.B. häufiges Telefonieren oder die Verständigung in lauter Umgebung)
  • Der Arbeitgeber muss den Bedarf mittels einer Arbeitsplatzbeschreibung bescheinigen
  • Die Feststellung der Hörminderung läuft auch hier über den HNO-Arzt

Versorgung und Pflege der Hörgeräte: Übernahme der Zusatzkosten

Die Sozialversicherungsträger übernehmen ebenfalls die Kosten für Reparaturen, insofern die Schäden an den Geräten nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt wurden. Allerdings müssen Sie beachten, dass nur die Kosten übernommen werden, die bei einem Tarifgerät anfallen würden – weitere Kosten müssen Sie als Hörgeräteträger selbst tragen.

Neben den Kosten für Hörgeräte und Reparaturen übernehmen die Sozialversicherungen auch einige Leistungen der Hörgeräteakustiker:

  • Die Auswahl des geeigneten Hörgerätes, die Anpassung mit allen dafür notwendigen Messmethoden und Messtechniken in einer tatsächlichen und einer simulierten Umgebung, Einstellung des Hörgerätes und Dokumentation während der gesamten Tragedauer
  • Die jährliche Überprüfung und Kontrolle der Funktionssicherheit. Darin ist die Gerätereinigung (aussen), Funktionskontrolle und eventuell notwendige Nacheinstellungen am Hörgerät (Verstärkung, Frequenzgang, Lautstärke und Dynamik), die Reinigung der Otoplastik sowie deren Überprüfung enthalten
  • Die Unterweisung des Betroffenen (Aufbewahrung, Bedienung, Batteriewechsel, Reinigung) und gegebenenfalls auch seiner oder ihrer Betreuungsperson

1 http://www.hno.at/

2 http://www.oessh.or.at/hoerspuren/hoergeraete

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