Nützliches Wissen rund ums Hören

Hätten Sie gewusst, dass die Bevölkerungsgruppe mit den meisten Hörverlust-Betroffenen nicht die Rentner sind, sondern die Babyboomer-Generation?

Erfahren Sie ausserdem, was es mit verschiedenen Hörsituationen auf sich hat und warum wir mit zwei Ohren entscheidend besser hören als mit nur einem.

Nützliches Wissen rund ums Hören

      

Tatsache Nr. 1: Hörverlust betrifft nicht nur Senioren!

Da Schwerhörigkeit mit zunehmendem Alter fortschreitet, sollte man annehmen, dass sich der grösste Teil der Hörverlust-Betroffenen im Rentenalter befindet. Bis vor wenigen Jahren traf diese Annahme auch zu. Doch inzwischen stellen nicht mehr die Ältesten die grösste Zahl von Menschen mit Hörverlust, sondern die noch beruflich aktive Babyboomer-Generation, geboren in den geburtenstarken 1950er und 1960er Jahren.

Experten sind sich einig, dass diese Entwicklung das Ergebnis einer stetig zunehmenden Dauerbelastung durch Lärm ist, basierend auf Lebensstil und Umfeld. So haben die Babyboomer schon seit ihrer Jugend viel Zeit mit lauter Musik in Discos, bei Rock-Konzerten und zuhause verbracht und waren auch in ihrem täglichen Umfeld einer zunehmenden Lärmbelastung ausgesetzt, beispielsweise durch Verkehrslärm.

Alarmierend: Bei den Kindern der Babyboomer ist die Situation noch viel schlimmer. Die Gründe sind naheliegend: immer mehr Umweltlärm und regelmäßiger und zu lauter Musikkonsum, vor allem über Kopfhörer.

Tatsache Nr. 2: Jede Hörsituation ist anders!

Auch wenn es einem normalerweise gar nicht auffällt: An jedem gewöhnlichen Tag durchlaufen wir eine Reihe unterschiedlichster Hörsituationen. Im Freien sind es meist Windgeräusche und Verkehrslärm. Doch auch in Innenräumen geht es selten still zu, sobald mehrere Menschen versammelt sind – man denke nur an den permanenten Geräuschpegel in einem Großraumbüro.
Das Problem: Je dichter der »Klangteppich«, desto mühsamer wird das Hören und vor allem das Sprachverstehen, insbesondere bei einer Hörminderung.

Denn entgegen der landläufigen Meinung macht ein Hörverlust nicht einfach alles leiser, sondern führt zu einem »Verschwimmen« der Geräusche. Vergleichbar mit einem Brei aus Klängen, der umso schwerer zu entwirren ist, je mehr Zutaten (Umgebungsgeräusche) er enthält.
Zudem sind es ausgerechnet einige der wichtigsten Konsonanten, die bei einer Hörminderung als erste und sukzessive aus dem Gehörten verschwinden: P, K, F, H oder auch alle T-, Sch- und S-Laute. Dies wirkt sich unmittelbar auf das Sprachverständnis aus.

Hörtest-Audiogram

 

Die Bedeutung der »Sprachbanane« (siehe Grafik)

Evolutionsbedingt ist unser Hörsinn auf das Sprachverstehen fokussiert. Unsere Sprache besteht aus Vokalen und Konsonanten in verschiedenen Lautstärken und Frequenzbereichen. Trägt man diese in einem sogenannten Audiogramm ein, gleicht ihre Darstellung der Form einer Banane; daher die Bezeichnung »Sprachbanane«.
Trägt der Hörgeräteakustiker bei einem Hörtest die Werte im Audiogramm ein, kann er feststellen, ob für die betreffende Person noch das ganze Sprachspektrum hörbar ist und inwieweit sich ihr Hörvermögen seit der letzten Messung verändert hat.

Tatsache Nr. 3: Zwei Ohren hören besser als eins

Aspekt Richtungshören: Nehmen unsere Ohren ein Geräusch wahr, so wissen wir meist sofort, aus welcher Richtung es kommt. Dies funktioniert nur, weil die Schallwellen das eine Ohr um einen winzigen Sekundenbruchteil früher erreichen als das andere. Das Hörzentrum in unserem Gehirn berechnet daraus die Richtung. Diese Fähigkeit des räumlichen Hörens – Fachleute nennen sie binaurales Hören – ist ein wichtiger Sicherheitsfaktor, denn sie warnt uns beispielsweise, wenn sich uns beim Überqueren der Strasse ein Auto oder eine Strassenbahn nähert.

Aspekt Klangqualität: Ähnlich wie beim räumlichen Sehen mit beiden Augen, ist auch beim Hören mit beiden Ohren die Klangqualität wesentlich besser. Dies gilt nicht nur für Umgebungsgeräusche und Musik, sondern auch für Sprache, die, mit nur einem Ohr gehört, flacher und farbloser klingt – selbst bei Menschen ohne Hörminderung.

Deshalb werden heute bei beidseitiger Hörminderung in der Regel auch an beiden Ohren Hörgeräte angepasst.

Wie funktioniert das gesunde Gehör?

Aussenohr

Das Aussenohr nimmt den eingehenden Schall trichterartig auf und leitet ihn an das Mittelohr weiter.

Mittelohr

Das Mittelohr verstärkt den eingehenden Schall (im Idealfall um 50dB) und leitet ihn an das Innenohr weiter.

Innenohr

Das Innenohr wandelt den Schall in elektrische Impulse um und leitet diese an das Gehirn weiter.
Das Gehirn (Hörrinde) verarbeitet die elektrischen Impulse und sorgt für Hören und Verstehen.

So funktioniert das gesunde Gehör: Aussenohr, Mittelohr und Innenohr