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Tinnitus: Wer kann helfen?

Störende Ohrgeräusche verschwinden in den meisten Fällen von alleine wieder. Oft reicht es, sich selbst und seinem Gehör eine kleine Ruhepause zu gönnen. Doch was, wenn das Rauschen im Ohr einfach nicht aufhört?

Wenn das Ohrgeräusch länger als 24 Stunden anhält, sollten Sie einen Experten aufsuchen. So können Sie einen chronischen Tinnitus vermeiden. Denn je früher Sie aktiv werden, desto besser sind Ihre Heilungschancen.

Doch an wen kann man sich wenden, um einen Tinnitus behandeln zu lassen? Hilfe finden Sie beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt sowie beim Hörgeräteakustiker. Je nach Form und Schweregrad des Tinnitus erstellen sie individuelle Behandlungspläne und leiten entsprechende Therapiemassnahmen ein.

Akuter Tinnitus
  • bis 3 Monate
  • sofern er nicht von alleine verschwindet, können mit Medikamenten gute Erfolge erzielt werden
  • Ansprechpartner: Hals-Nasen-Ohren-Arzt
Subakuter Tinnitus
  • 3 bis 12 Monate
  • Linderung durch Medikamente und / oder Entspannungsübungen
  • Ansprechpartner: Hals-Nasen-Ohren-Arzt und Hörgeräteakustiker
Chronischer Tinnitus
  • über 12 Monate
  • Therapiemassnahmen hängen vom Leidensdruck des Betroffenen und einem möglichen Hörverlust ab (kompensierter oder dekompensierter Tinnitus)
  • Ansprechpartner: Hals-Nasen-Ohren-Arzt und / oder Hörgeräteakustiker

Wie wird ein Tinnitus diagnostiziert?

Ausschlaggebend für die Diagnose und die Therapie eines Tinnitus, ist das erste ausführliche Anamnese-Gespräch zwischen dem Betroffenen und dem Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Hörgeräteakustiker. Dabei werden Ihnen Fragen zu Vorerkrankungen, möglichen Auslösern sowie zum Ohrgeräusch selbst gestellt. Darüber hinaus ist es wichtig abzuklären wie sehr Sie unter Tinnitus leiden.

Im Anschluss an die Anamnese folgen verschiedene Untersuchungen des Gehörs – darunter ein Hörtest und eine Gleichgewichtsprüfung. Unter anderem wird dabei ermittelt, ob bei Ihnen ein Hörverlust oder eine Erkrankung des Gehörs vorliegen. Danach folgt die eigentliche Tinnitus-Analyse, bei der Lautstärke und Tonhöhe des Tinnitus ermittelt werden. Ziel dabei ist herauszufinden, mit welchen Frequenzen sich das Ohrgeräusch überdecken lässt.

 

Tinnitus-Therapie: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Abhängig von der Art des Tinnitus, können verschiedene Therapieansätze angewandt werden. Ein akuter Tinnitus (bis 3 Monate) lässt sich gut durch Infusionen (u.a. durchblutungsfördernde Medikamente, Kortison) behandeln bzw. heilen. In den meisten Fällen verschwindet er komplett.

Doch nicht jeder Betroffene wird seine Störgeräusche im Ohr wieder los. Eine Therapie, die einen chronischen Tinnitus (ab 3 Monate) heilen kann, gibt es aktuell noch nicht. Es gibt aber bereits sehr wirksame Behandlungsansätze, die Ihnen helfen, gut mit Ihrem Ohrgeräusch zu leben. Die häufigste Behandlung ist die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) – eine der erfolgreichsten Bewältigungsstrategien bei chronischem Tinnitus.

Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) und ihre Wirksamkeit

  • das Gehirn soll schrittweise lernen, sich an die Ohrgeräusche zu gewöhnen und sie weitgehend auszublenden (Habituation).
  • die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg der TRT: konsequente und aktive Mitarbeit des Betroffenen.

Die drei Säulen der TRT:

Säule 1

Information und Beratung:

Um seinen Tinnitus besser zu verstehen, wird der Betroffene in einem Einzelgespräch über diese Thematik vollumfänglich informiert und aufgeklärt. Dadurch werden die Ohrgeräusche greifbarer gemacht, wirken weniger bedrohlich und nehmen dem Betroffenem die Angst.

Säule 2

Klangtherapie:

Sie lernen durch die bewusste Konzentration auf angenehme Geräusche (Zimmerbrunnen, Natur-Klänge, Musik, etc.) den Tinnitus in den Hintergrund zu drängen. Die negativ empfundenen Ohrgeräusche werden durch positive Klänge neutralisiert.

Säule 3

Steigerung des psychischen und physischen Wohlbefindens:

Grundsätzlich gilt: Stress meiden und Entspannung fördern. Hierfür gibt es verschiedene Ansätze, von der Verhaltens- und Gesprächstherapie bis hin zum Yoga und Tai Chi, die jeder Betroffene individuell für sich entdecken und nutzen kann.

Haben Sie gewusst, dass auch Hörgeräte bei Tinnitus Abhilfe schaffen können?
Ihr Hörgeräteakustiker in Ihrer Nähe hilft Ihnen gerne weiter.

Wie funktioniert eine Tinnitus-Therapie mit Hörgeräten?

Moderne Hörgeräte sind kleine technische Wunderwerke und können auch bei Ohrgeräuschen vielseitig eingesetzt werden:

  • Tinnitus Noiser: Überträgt Klänge auf das Ohr, um vom Tinnitus abzulenken. Er ist ein wichtiges Instrument der Klangtherapie (Säule 2 der TRT). Optisch ähnelt er einem Hörgerät.
  • Hörgeräte: Etwa 80 Prozent der Tinnitus-Betroffene haben auch einen Hörverlust1. Oft haben die Ohrgeräusche genau die Frequenz, die der Betroffene am schlechtesten wahrnimmt. Durch die Anpassung eines Hörgeräts wird die Hörminderung genau in diesem Frequenzbereich ausgeglichen. Die Folge: Das Gehirn nimmt wieder mehr Geräusche von aussen wahr und der Tinnitus wird leiser.
  • Kombigeräte: Diese Hörgeräte mit integriertem Noiser eignen sich für Tinnitus-Betroffenen mit Hörverlust, bei denen ein Hörgerät alleine keine Linderung mit sich bringt.

Tipps für den Umgang mit einem Tinnitus:

  • Meiden Sie Stress und finden Sie eine Entspannungstechnik, die gut zu Ihnen passt (autogenes Training, Yoga, Tai Chi, etc.).
  • Achten Sie auf Ihre Ernährung. Alkohol, Koffein sowie Salz sollten nur in Massen konsumiert werden.
  • Treiben Sie Sport. Körperliche Betätigung fördert den Stressabbau und lenkt von den Ohrgeräuschen ab.
  • Schlafen Sie ausreichend. Ausgeschlafen nehmen Sie den Tinnitus anders bzw. weniger intensiv wahr.
  • Beschäftigen Sie sich mit Aktivitäten, die Ihnen Spass machen und von den Ohrgeräuschen ablenken.
  • Tragen Sie einen Hörschutz, sobald Sie Lärm ausgesetzt sind.

1 Quelle: Axelsson A., Ringdahl A. (1989). Tinnitus: a study of its prevalence and characteristics. Br J Audiol, 23:53-62

     

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