4396 Was ist Tinnitus? | Hörberatung.at

Tinnitus: Hören Sie Geräusche, die es gar nicht gibt?

Es rauscht, pfeift, zischt, klingelt, summt oder brummt im Ohr. Wer kennt es nicht, das lästige Ohrgeräusch, das plötzlich auftaucht und nach kurzer Zeit meist wieder verschwindet? Viele Menschen haben dies schon einmal erlebt und das ist ganz normal. Wird das störende Geräusch im Ohr allerdings dauerhaft wahrgenommen, also über mehrere Monate, spricht man von einem Tinnitus.

Dabei handelt es sich nicht um eine Erkrankung, sondern um ein Symptom, das von jedem Betroffenen anders empfunden wird. Die Ohrgeräusche haben in der Regel keine äussere Schallquelle – sie werden nur von den Betroffenen selbst wahrgenommen. Die Geräusche können ständig oder gelegentlich wiederkehrend auftreten, in einem oder in beiden Ohren und in der Lautstärke variieren.

Arten von Tinnitus

Auch wenn niemand anders als der Betroffene selbst den Tinnitus hört und kein Arzt ihn mit konventionellen Untersuchungsmethoden diagnostizieren kann: Ein subjektiver Tinnitus, die häufigste Art der Ohrgeräusche, ist weder eine Halluzination noch eine eingebildete Krankheit.

Was ist Tinnitus?

Die Wahrnehmung der Töne ist auf eine fehlerhafte Informationsverarbeitung im Hörorgan zurückzuführen.

Beim sehr seltenen objektiven Tinnitus hingegen können die Ohrgeräusche mit Hilfe von speziellen Untersuchungsgeräten vom Hals-Nasen-Oh­ren-Arzt gemessen werden. Die Ursache ist dann meist eine anatomische Veränderung der Blutgefässe im Innenohr oder eine Mittelohrstörung.

Tinnitus und seine Formen

Neben der Art des Tinnitus unterscheiden Mediziner auch drei verschiedene Formen der Ohrgeräusche:

  • Akuter Tinnitus: Besteht weniger als drei Monate und hört häufig spontan auf. Gegebenenfalls kommen Medikamente zum Einsatz.
  • Subakuter Tinnitus: Tritt innerhalb von drei bis zwölf Monaten immer wieder auf. Medikamentöse Behandlung und/oder Entspannungsübungen können eine Besserung aufweisen.
  • Chronischer Tinnitus: Beschwerden bestehen länger als zwölf Monate. Klingen nur selten ohne therapeutische oder medikamentöse Massnahmen ab.

Bei einer chronischen Form des Tinnitus unterscheidet man zwischen dem kompensierten und dem dekompensierten Tinnitus. Während manche Betroffene sich an das ständige Pfeifen, Rauschen oder Brummen im Ohr gewöhnt haben und gut damit zurechtkommen (kompensiert), führt der Tinnitus bei anderen zu erheblichen seelischen sowie körperlichen Beeinträchtigungen (dekompensiert). So können Schlafstörungen, Stress, Angst, Depressionen, soziale Isolation sowie Kopf- und Ohrenschmerzen, Schwindel und Muskelverspannungen die Folgen eines dekompensierten Tinnitus sein.

Wie entsteht ein Tinnitus: Ursachen und Auslöser

Zur genauen Entstehung von Tinnitus gibt es zwar diverse Theorien, jedoch ist keine davon belegt. Klar ist: Nur in seltenen Fällen tritt ein Tinnitus grundlos auf. Auslöser für die störenden Ohrgeräusche sind oft anatomische oder traumatische Veränderungen im Ohr wie:

  • Lärmschäden / Knalltrauma
  • Hörsturz
  • Innenohrschwerhörigkeit
    1C6A
  • Hyperakusis (Geräuschüberempfindlichkeit)
  • Gehörgangsverschluss
  • Mittelohrentzündung
  • Morbus Menière (Erkrankung des Innenohres)
  • Akustikus-Neurinom (gutartiger Tumor)

Aber auch Erkrankungen ausserhalb des Hörsystems können störende Geräusche im Ohr auslösen:

  • Stress
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Gebissfehlstellungen
  • Beschwerden im Bewegungsapparat
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Verspannungen
  • Vergiftungen
  • Medikamente
Tinnitus das Phantomgeräusch im Ohr - Infografik

   

Prävention: Tipps zur Vorbeugung von Tinnitus

  1. Gehen Sie dem Lärm aus dem Weg oder beschränken Sie es auf ein Minimum. Lassen sich bestimmte Lärmquellen am Arbeitsplatz oder in der Freizeit nicht vermeiden, schützen Sie Ihre Ohren entsprechend mit Hilfe von Ohrstöpseln oder speziellen Kopfhörern.
  2. Vermeiden Sie allzu grossen Stress. Stress begünstigt die Entstehung von unangenehmen Ohrgeräuschen. Schalten Sie lieber einen Gang zurück, anstatt durch einen Tinnitus ganz auszufallen.
  3. Werden Sie bei den ersten Anzeichen aktiv! Je früher Sie bei ersten Tinnitus-Symptomen einen Experten (Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Hörgeräteakustiker) aufsuchen, desto besser sind die Heilungschancen.

1 Henry J, Dennis K,Schechterm (2005). „general review of tinnitus: Prevalence, mechanisms, effects and management“ Journal of Speech, Language and Hearing Research, 48:1204-1235
2 http://derstandard.at/2000006092732/Tinnitus-Ton-als-Phantom
3 http://www.gesundheits-lexikon.com/Ohren/Ohrgeraeusche-Tinnitus/
4 Axelsson A., Ringdahl A. (1989). Tinnitus: a study of its prevalence and characteristics. Br J Audiol, 23:53-62

  

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